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Das Bockmahl in Baad, vergangenes Brauchtum aus dem Kleinwalsertal

Das Bockmahl in Baad bei Mittelberg war früher einmal eine seit vielen Jahren überlieferte Tradition der Walser. Die Kunde dieses Festes, welches an den Ort „Baad“ gebunden ist, reicht bis ins Mittelalter zurück und beruht auf alten Sagen. Alljährlich gegen Ende der Alpzeit kamen die geisternden Bergmännlein und die sieben Hexen vom Muttelberg aus dem großen Alpgebiet von Baad zusammen.
Sie zogen mit Trommel- und Pfeifenspiel zum großen Fest und führten vom Einbruch der Dunkelheit bis zum Sonnenaufgang einen wilden Tanz auf. Sie waren die unsichtbaren Hirten und dem Bauern, der diesen Geistern nicht gut gesinnt war, oder nicht an sie glaubte, dem nahmen sie einen Schafbock und brieten diesen am Spieß.

Was wissen wir aber näheres über diese „Bergmännlein und Hexen“ und wie haben diese ihr „Bockmahl“ in Baad gefeiert?

Die sieben Hexen vom Muttelberg haben es gegründet und durch Jahrhunderte beherrschten sie zum Schauder der Baader Bevölkerung das Fest. Unredliche Sennen mussten den Schafbock heranschaffen und schlachten. Das Trinken ihres Blutes und das Essen dieses Fleisches gab ihnen neue dämonische Kräfte und mit unheimlichen Besenritten und wilden Tänzen fand dies einen drastischen Ausdruck. Wer aus Neugier oder unachtsam in den von der Oberhexe gezeichneten Bannkreis geriet, er kam nur mit einem Lösetribut wieder heraus.
Dem sogenannten Delleramänndle ging es auch so. Er sollte die von ihm einst gestohlenen Enzianwurzeln wieder eingraben und kam so in den Bannkreis der Hexen. Mit seiner Hacke konnte er gerade noch ein Kreuz in den Boden hauen und die Hexen mussten von ihm lassen.

Früher war es Tradition, diese Begebenheiten auch in der Art eines Freilichtspieles darzustellen. In einer weiteren Szene kam der damalige Besitzer der Bärenweidalpe, (dies ist die Alpe oberhalb von Baad) vor. Ein geisternder Hirte, der jahrelang von einem Stein aus, ohne Lohn auf sein Vieh aufpasste, rief den Bauern dorthin. Er wollte den unsichtbaren Hirten entlohnen und legte ihm ein grünes Röcklein hin.

Das Hirtlein sah dies verwundert, zog es an und bewunderte es mit dem Freudenruf: „I schöna Maa, i reicha Maa, i nömma hüata chaa“! (Ich schöner Mann, ich reicher Mann ich nicht mehr hüten kann“) Danach verschwand es für immer.

Das „Walser Männdle„, es war dies ein verkrüppelter Bettler, zeigte sein Unwesen auf dem Vorderboden, eine Flur vor Baad. Ein junges Mädchen, das ihn erkannte und dies den Leuten zurief, konnte ihn in den Bannkreis locken, er bekam es aber an den Haaren zu fassen und entführte es.

Das „Nachtvolk„, welches mit Fackeln, sonst aber unsichtbar, mit herrlichem Gesang vom Alpenwald nach Baad zog, vermochte die Hexen von ihrer ergötzlichen Unterhaltung abzulenken. Als sie aufhorchten, ging der wunderbare Gesang in grässliches Pfeifen über und die Hälfte des röstenden Schafbockes zurücklassend, eilten sie mit Geschrei und lautem Geknall in ihre Berglöcher zurück.

Ursprünglich war dieses Schauspiel mit Tanz nur für die Sennen, Hirten und Melkerinnen, welche in Alprevieren von Baad waren und für die „Baader“ Bevölkerung. Erst viel später wurde das Bockmahl auch von Auswärtigen besucht.

Das „Schauspiel„, also die theatermäßige Darstellung, wird seit 1949 nicht mehr aufgeführt, das Schlachten und Braten eines Schafbockes und der Tanz verblieben bis 1960. Von 1972 bis 1978 fand das traditionelle Fest wieder statt, ehe es wieder vergessen wurde.

1991 wollten die Wirte von Baad diesen alten Brauch wieder neu ins Leben rufen. Traditionsgemäß, am ersten Sonntag im September, fand das „Bockmahl“ wieder statt.

Das Programm von 1991 verkündete in der Heimatzeitung:

Die Walser sind begeistert von dieser Initiative zur Erhaltung eines uralten Brauches und freuen sich schon auf eine Einkehr in Baad. Gewiss auch noch vielen älteren Leuten im Oberallgäu ist dieses Fest in Erinnerung und so mancher Vater oder Großvater hat seinen Nachkommen vom „Bockmahl in Baad“ erzählt.

Leider findet das Bockmahl heute nicht mehr statt.

Quelle: Gemeindeamt Kleinwalsertal

Das Kleinwalsertal

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