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Allgäuerisches Wörterbuch von A bis Z

oder wie sich hier im Allgäu die Eingeborenen verständigen!

Ein Allgäuerisch-Deutsches Wörterbuch öffnet die Tür zu einer faszinierenden Welt, in der Sprache die kulturelle Identität einer Region widerspiegelt. Das Allgäu, mit seinen malerischen Landschaften und traditionsreichen Dörfern, ist nicht nur ein beliebtes Reiseziel, sondern auch ein Ort, an dem eine einzigartige Sprache gepflegt wird. Dieses Wörterbuch ist eine Brücke zwischen dem Alltag der Allgäuer Bevölkerung und jenen, die ihre Dialekte verstehen und schätzen möchten.

Die Allgäuer Mundart, geprägt von Jahrhunderten regionaler Geschichte, bringt eine Vielzahl von einzigartigen Ausdrücken, Redewendungen und Begriffen hervor, die für Außenstehende oft rätselhaft sind. Dieses Wörterbuch bietet eine umfassende Sammlung von Wörtern und Wendungen, die im Alltag der Allgäuer Verwendung finden, und erläutert sie in verständlichem Deutsch. Von kulinarischen Spezialitäten bis hin zu traditionellen Festen, von landschaftlichen Bezeichnungen bis zu alltäglichen Gesprächen – hier können Sie die Sprache des Allgäus in ihrer Vielfalt und Schönheit entdecken.

Tauchen Sie ein in die Welt des Allgäuerischen und erleben Sie, wie diese einzigartige Dialektform die Seele und den Charakter des Allgäus widerspiegelt. Dieses Wörterbuch lädt Sie ein, die Reichtümer der Allgäuer Sprache zu erkunden und das Verständnis für diese faszinierende Region zu vertiefen.

„vier miede Kie hoat d’r Bau’r“ oder „vier miede Kie håt dr Baur“ – (vier müde Kühe hat der Bauer)

Schreibweise

Auf den ersten Blick ist die Dialektschreibweise irritierend, denn wir sind in der Schule auf Rechtschreibung gedrillt worden. Aber wir sprechen auch im Deutschen, nicht nur im Französischen und Englischen, anders als wir schreiben und so sind auch im Allgäuer Dialekt grundsätzliche Aussprachehinweise nötig, für die hier eigene Buchstaben bzw. Schreibweisen definiert werden.

Schreibweise nach Dr. Manfred Renn:

  • e und a (kleingedruckt) stehen für unklare „Murmellaute“, die entweder mehr einem e oder mehr einem a ähnlich sind.
  • å repräsentiert einen „dumpfen“ Vokallaut zwischen a und o, wie in den skandinavischen Sprachen. (Beispiel: water = Wasser, Aussprache in den USA „wåter“)
  • n (hochgestellt) bedeutet nasale Aussprache des vorausgehenden Vokals.
  • Lange Vokale werden nicht durch Dehnungszeichen der normalen Orthographie (wie ie oder h) sondern durch Doppelschreibung dargestellt.
  • Fallende Doppellaute werden durch Kleinschreibung des auslautenden Vokals dargestellt. (Bruedr – Bruder; vier – vier; häanad – herüben).

Exkurs:

Das lange a wurde von genauen Schreibern in der frühesten Zeit durch doppeltes a bezeichnet, über welches man um an die Einsilbigkeit zu erinnern ein Bindezeichen setzte. Später schrieb man ein einzelnes a und über dieses das alte Bindezeichen: â.
(G.F. Benecke / W. Müller / F. Zarncke [1872] Mittelhochdeutsches Wörterbuch)

Generell gilt im Dialekt: Man schreibt wie man spricht oder hört.

Heit hammrs ‚E‘ schreibe gläened. ‚E‘ wie Epfl (Apfel). ein Schulbub aus Pfronten

Aussprache

(Beispiele aus dem Ostallgäu)

Die Aussprache könnte nur mit einem phonetischen Alphabet richtig dargestellt werden. Hier ist eine Annäherung versucht worden doch oft muß man kritische Wörter erst hören. So ist saiche (Wasser lassen, urinieren) eine andere Tätigkeit als seiche (seihen, filtern). Ein anderes Beispiel: Lais (Spur) und Leis (Läuse).

Dehnung und Schärfung von Vokalen

Mid däem Hååmar isch guet naagle. – Mit diesem Hammer ist gut nageln.

Im Ostallgäu wird der betonte Vokal eines Wortes meistens gedehnt Laade (Laden), Neebl (Nebel), Diisch (Tisch), Boode (Boden), Duure (Turm) sogar wenn dieser in der Standardsprache durch einen nachfolgenden Doppelkonsonant geschärft wird Kchååmr (Kammer), Hiiml (Himmel), vool (voll), Roos (Roß) außer diese enden auf ‚pf‘ oder ‚ck‘ (Zopf, Sack).

Um keine Regelmäßigkeit aufkommen zu lassen, wird ausnahmsweise das o in ‚holen‘ geschärft und man sagt holle.

Daß man Motor Motoor spricht muß man sich halt auch merken.

Nasalierung von Vokalen und Doppellauten

I moin dein Måån kån oins scho hoin gean. – Ich meine dein Mann kann eines schon zurückgeben.

Es ist typisch für das Ostallgäu, daß bei Silben die auf ’n‘ enden der Verschlußlaut ’n‘ entfällt und der vorherige Vokal stattdessen nasaliert gesprochen wird. Bei

  • den Vorsilben ‚an‘ ån, ‚un‘ un, ‚hin‘ nåån, ‚dran‘ drån,
  • ‚ein‘ (einbiesse, dreinße, Gaggeinle, Geins (Gänse), Wein) [außer bei ‚Heinrich‘]
    und ‚oin‘, der häufigen Aussprache für ‚ein‘, (oinmål, Boind, Schtoin)
    sowie ‚aun‘ (gaun, maunzge),
  • Endung auf ‚ån‘ (nein, Mann, kann, Bahn, Plan, tun).

Ein Beispiel mit kleinem Unterschied: koin (kein) – koin (keinen).
Zu Nasalierung siehe auch im Abschnitt ’n am Wortende‘.

Verdumpfung

Nåchad gååt ma no zum Nåchbaur numm. – Nachher geht man noch zum Nachbar hinüber.

Das verdumpfte a findet sich in vielen Wörtern håt (hat) aber auch e und o werden manchmal verdumpft gååt (geht), råat (rot).

Fallende Doppellaute

Guete Kie håt dr Baur. – Gute Kühe hat der Bauer.

Im 11. Jahrhundert veränderten sich die mittelhochdeutschen Doppellaute ie, uo und üe zu ie (gedehnt), u und ü (liebe – Liebe, guot – gut, wüele – wühlen). Die bairischen und alemannischen Dialekte haben die Veränderungen nicht angenommen: d Lieb (die Liebe), guet (gut), wuele (wühlen).
Eine große Zahl der Dialektwörter enthalten daher diese und weitere schwierig auszusprechende fallende Doppellaute ie, äe, ue, åa und åe .

Entrundung

I briichd a nuis Hääs – Ich bräuchte ein neues Gewand.

Hartnäckig vermeiden Ostallgäuer das Spitzen des Mundes für Doppelvokale und Umlaute. So hört man dort für ‚eu‘ / ‚äu‘ einmal ‚ee‘ Freed (Freude) ein andermal ‚ei‘ heit (heute, Allgei (Allgäu), ‚ui‘ Zuig (Zeug), ‚oi‘ Hoi (Heu), ‚åå‘ rååme (räumen) oder ‚ii‘ briichd (bräuchte).

Das ‚ü‘ wird meist mit ‚i‘ umgangen: ie friener (früher), Brie (Brühe), ‚i‘ wissd (wüßte), ‚ii‘ iibrgaun (übergehen).

Am besten man läßt es ganz verschwinden wie in numm (hinüber).
Das arg unbequeme ‚ö‘ wie in Höll oder schnölle ähnelt in der Aussprache mehr einem ‚e‘ oder ist durch ‚o‘ ersetzt – gonne (gönnen). Hölle mußten die Ostallgäuer gar nicht erst ‚entrunden‘, sie blieben bei der mittelhochdeutschen Aussprache [helleheiʒ = höllenheiß].

Für Föhn gibt es die Umschreibung dr warm Wind.

’n‘ am Wortende

ist bei der Endung ‚en‘ vollständig verschwunden. Übrig blieb nur der typische Murmellaut e. Dr Gloobe (Glaube), gloobe (glauben) oder dr Sockh (Socke), d Sockh (Socken) werden aus dem Zusammenhang oder durch den Artikel verständlich.

Nach den Vokalen å, au, ei, i, oi, o führt das ’n‘ zu deren Nasalierung nån (nein), Zaun (Zaun), Wein (Wein), bin (bin), kchloin (klein), Balkon (Balkon).

Reibelaut ‚chs‘

Ein ‚chs‘ durch ‚ggs‘ ersetzt: waggse (wachsen), weggsle (wechseln), Fuggs (Fuchs), Seggsaggsar (Sechsachser) und ein ‚h‘ nach einem gedehnten Vokal kann zu einem (geriebenen) ‚ch‘ werden zieche (ziehen), säeche (sehen), Häeche (Höhe).

Hiatustilgendes ’n‘

An altr Måån isch koin Dee-Zug – Ein alter Mann ist kein D-Zug.

Zwei Vokale nacheinander (Hiatus) sind unbequem in der Aussprache darum wird manchmal ein ’n‘ eingeschoben.

Beispiele: an Epfl (ein Apfel), an Aufgab (eine Aufgabe), wienii (wie ich), woni bin (wo ich bin).

Ein bereits vorhandener nasalierter Vokal wird aber nicht zurückentwickelt. Es bleibt also beim kån i it (kann ich nicht).

Im Ostallgäuer Idiom werden andererseits Hiatus erzeugt, die nicht getilgt werden! Beispiel: I oo it. (Ich auch nicht).

Verwendete Abkürzungen:

ahd. = althochdeutsch
mhd. = mittelhochdeutsch
~ = Wortteilwiederholung
( ) = selten gebrauchtes Wort
{m} = männlich, {w} = weiblich, {s} = sächlich

Auszüge aus dem Buch ‚Allgäuer Wörterbuch und Dialektkunde‘ von Johannes Rinderle, mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Hier kommen Sie zu den Buchstaben unseres Allgäuer Wörterbuchs von A-Z

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