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Der weite Weg vom Allgäu zum Endspiel in Madrid

Am 5. Juni 2027 steigt das Finale der UEFA Champions League im Estadio Metropolitano in Madrid, dem 2017 eröffneten Stadion von Atlético im Nordosten der spanischen Hauptstadt. Für die Arena ist es nach 2019 das zweite Endspiel, für Madrid insgesamt das sechste, nur London war häufiger Gastgeber. Die Saison dahin beginnt deutlich früher. Schon am 27. August 2026 lost die UEFA die Ligaphase aus, ab dem 8. September wird gespielt, und aus der Bundesliga sind der FC Bayern München, Borussia Dortmund, RB Leipzig und der VfB Stuttgart dabei. Für Fußballfans zwischen Lindau und Füssen stellt sich damit eine praktische Frage. Wie realistisch ist es, im Juni 2027 selbst im Stadion zu sitzen?

Stadion - Madrid - Champions League

4600 Karten für neutrale Fans in ganz Europa

Beim Finale am 30.Mai 2026 in der Puskás Aréna in Budapest, das Paris Saint-Germain im Elfmeterschießen gegen den FC Arsenal gewann, waren von 61.400 Plätzen nach Angaben der UEFA 39.000 direkt für Fans und Öffentlichkeit bestimmt, je 17.200 davon gingen an die Anhänger der beiden Finalvereine. Der verbleibende Teil der Kapazität verteilte sich auf Ausrichter, Verbände, Partner und Medien.

Übrig blieben 4600 Karten für den Rest Europas.

Die Preise reichten von 70 Euro in der Kategorie Fans First, die den Anhängern der Finalteilnehmer vorbehalten bleibt, über 180 und 650 Euro bis zu 950 Euro in der teuersten Kategorie. Menschen mit Behinderung zahlten den niedrigsten Preis und erhielten auf Anfrage eine Freikarte für eine Begleitperson. Vergeben wurde nicht nach Eingangsdatum, sondern per Verlosung am Ende einer mehrtägigen Bewerbungsphase, höchstens zwei Karten pro Person.

An diesem Verfahren führt kein Weg vorbei. WerTickets für das Champions League Finaleergattern will, bewirbt sich im offiziellen Portal, wartet die Ziehung ab und erfährt erst danach, ob überhaupt ein Kauf möglich ist. Reiseveranstalter und Vermittler haben um das Endspiel inzwischen zwar einen eigenen Markt aufgebaut, der öffentliche Verkauf selbst läuft jedoch ausschließlich über die UEFA.

Das Ticket bleibt am Handy des Käufers

Gegen den Graumarkt setzt der Verband seit 2026 auf technische Hürden. Erfolgreiche Bewerber mussten die App UEFA Mobile Tickets auf genau dem Mobiltelefon registrieren, mit dem sie später ins Stadion wollten. Die Karte selbst war nicht übertragbar. Wer verhindert war, konnte sie gebührenfrei zum Nennwert über die offizielle Weiterverkaufsplattform abgeben, und Zugriff darauf hatten allein jene Fans, die bei der Verlosung leer ausgegangen waren.

Vom Kauf bei Händlern, Agenturen oder Websites ohne Lizenz rät die UEFA ausdrücklich ab. Karten, die unter Missachtung der Geschäftsbedingungen erworben wurden, erklärt der Verband für ungültig, am Einlass droht dann die Abweisung. Die Prüfung der Anträge übernehmen laut UEFA auch Sicherheitsbehörden, damit Personen mit Stadionverbot vom Verfahren ausgeschlossen bleiben.

Ab Memmingen nach Budapest, aber nicht nach Madrid

Bleibt die Anreise. Der Flughafen Memmingen meldete für 2025 ein Rekordergebnis von 3.698.900 Passagieren, ein Plus von 14,09 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Man habe die eigenen Ziele erreicht, erklärte Geschäftsführer Ralf Schmid in der Jahresbilanz vom 5. Januar 2026. Gefragt waren demnach vor allem Tirana und Palma de Mallorca. Auch London-Stansted überschritt die Marke von 100.000 Fluggästen im Jahr, ein Wert, den ansonsten fast nur Ziele in Südosteuropa erreichten.

Für Fußballreisende hielt der Standort 2026 eine bemerkenswerte Fügung bereit. Im Sommerflugplan 2026, gültig vom 29. März bis zum 24. Oktober, steht Budapest, angeflogen von Wizz Air. Zur Finalstadt dieses Jahres gab es ab dem Allgäu also eine Direktverbindung. Madrid dagegen fehlt auf der Liste. Spanien ist mit Alicante, Barcelona Girona, Málaga, Palma de Mallorca und Valencia vertreten, die Hauptstadt bedient ab Memmingen keine Airline.

Ob sich das für den Sommer 2027 ändert, ist offen, der entsprechende Flugplan liegt noch nicht vor. Wer das Endspiel in Madrid fest einplant, rechnet vorerst mit den Abflughäfen München oder Zürich. Eine dritte Variante führt über einen Flug nach Barcelona Girona und die Weiterfahrt mit dem Schnellzug nach Madrid.

Zwei Endspieltore eines Stürmers aus dem Westallgäu

Dass der Weg aus der Region auf diese Bühne führen kann, hat vor allem einer bewiesen. Karl-Heinz Riedle, aufgewachsen in der heutigen Marktgemeinde Weiler-Simmerberg im Landkreis Lindau, kickte in seiner Jugend beim TSV Ellhofen, wenige Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Über den FC Augsburg, Blau-Weiß 90 Berlin, Werder Bremen und Lazio Rom kam der Stürmer 1993 zu Borussia Dortmund. Im Finale 1997 erzielte Riedle im Münchner Olympiastadion beim 3:1 gegen Juventus Turin zwei Tore, es war der größte Triumph seiner Laufbahn nach dem Weltmeistertitel von 1990. Der bislang direkteste Allgäuer Weg in ein Endspiel führte damit über den Rasen, nicht über die Verlosung.

Verkaufsstart für Madrid voraussichtlich im Frühjahr 2027

Für das Endspiel im Estadio Metropolitano hat die UEFA den Verkauf noch nicht eröffnet. 2026 lief die Bewerbungsphase für die Öffentlichkeit vom 16. bis zum 19. März, gut zehn Wochen vor dem Anstoß. Hält der Verband an diesem Rhythmus fest, wäre für 2027 mit einem Start im März zu rechnen, bestätigt ist das nicht. Auch die Anstoßzeit steht noch aus, 2026 wurde um 18 Uhr angepfiffen, früher als in den Jahren davor.